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Das Therapieende

In der Regel baut sich zwischen dem Therapeuten und dem Kind im Verlauf der Therapie Vertrauen und Nähe auf. Gerade Trennungserfahrungen sind in der Biografie von Patienten oft mit negativen Erinnerungen verknüpft. Viele Patienten sehen dem Ende der Therapie mit gemischten Gefühlen entgegen.

Entweder sehnsüchtig, dass ich wieder Zeit habe für etwas anderes, ich mich wieder „als normal“ erlebe. Oder ich bin stolz über das Erreichte, ich brauche niemanden mehr, kann wieder auf die eigenen Kräfte vertrauen. Neben der Freude können sich aber auch Gefühle von Angst und Hilflosigkeit einstellen. Selbstzweifel und Grübelgedanken können auftauchen: Sehen meine Eltern oder Erzieher den Entschluss aufzuhören auch so? Ist es wirklich der richtige Zeitpunkt, werde ich stabil bleiben? An wen könnte ich mich wenden, wenn es zu Rückschlägen zu kommen scheint? Von wem geht der Wunsch aus, vom Therapeuten, von den Eltern, dem Kind oder beiden Parteien?

Für jeden Menschen ist auch die Phase des Abschieds individuell und verschieden. Jeder geht mit Trauer und Verlust anders um. Diese Fragen und Gefühle brauchen Zeit zur gemeinsamen Reflexion. Was habe ich für Ziele erreicht? Was habe ich insgesamt für Fortschritte gemacht? Es wird Rückschläge geben, aber werde ich wie früher den Gefühlen ausgeliefert sein oder in alte Verhaltensmuster zurückfallen? Kann ich mittlerweile anders damit umgehen, nicht perfekt aber deutlich souveräner? 

Daher kommt dem Therapieende eine besondere Bedeutung zu.

Ablauf

  • Die Therapie endet im Regelfall im gegenseitigem Einvernehmen zwischen Patient und Therapeut. Dieser Zeitpunkt wird durch den Verlauf der Symptomlinderung, den Fortschritten im Umgang mit schwierigen Gefühlen und Situationen bzw. der Entwicklung der Persönlichkeit insgesamt bestimmt.
  • Es kann bei bestimmten strukturellen Störungen bzw. Entwicklungsphasen sehr sinnvoll sein, das Therapieende über eine längere Zeit hinauszuziehen und als Begleiter und sicherer Ort weiter verfügbar zu sein. In dieser Zeit können einzelne Sitzungen niederschwellig erfolgen, d. h. zwischen ihnen liegt ein längerer Abstand. Zusätzlich kann auch die Sitzungsdauer dann von regelhaft 50 Minuten auf die Hälfte reduziert werden.
  • In anderen Fällen ist es sinnvoll eine Behandlung zu unterbrechen, weil ein Patient z. B. ausprobieren möchte, ob er alleine zu Recht kommt. Solche Therapiepausen werden im einzelnen besprochen und ihre Beweggründe hinterfragt, z. B. ob es eine Flucht vor einer Auseinandersetzung oder ein nachvollziehbarer Entwicklungsschritt ist.
  • In jedem Falle erfolgt dieser Abschied mindestens über einen Zeitraum von drei Sitzungen, in denen es Gelegenheit gibt Abschied zu nehmen. Gruppen haben im Regelfall ein Abschiedsritual entwickelt.
  • Ein Nachbefragungsbogen soll allen Beteiligten dabei helfen, den Therapieverlauf und das Ende bewusst nachzuvollziehen. (Download Nachbefragungsbogen)

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